Samstag, Juni 28, 2008

Das Beraterleben...

...ist doch gar nicht so schwer.

Ans frühe Aufstehen montags hab ich mich ja schon gewöhnt. Dank Qype find ich es auch klasse, ständig in anderen Hotels zu sein, damit ich die Erlebnisse ja gewinnbringend in hart verdiente Qype-Punkte umwandeln kann. Doch manchmal, ja manchmal weiß man einfach nicht, ob das Beraterleben nun Qual oder das höchste der Gefühle ist.

Diese Woche hat es mich ins Hotel Royal in München verschlagen. Ich war schon ganz stolz auf mich, dass ich ein günstiges Hotel gefunden habe, was den Deckungsbeitrag tiefgrün erscheinen ließ und zudem noch auf Hotel.de recht gut bewertet worden ist. Mein Projektleiter wird bestimmt stolz auf mich sein. Für Nicht-Münchner hier noch eine kurze Standortbestimmung des Hotels: es liegt pittoresk in der nähe des Hauptbahnhofs neben Cabarets, Live-Bars, Live-Shows, Computer- und Telefonläden, die sich in ungewohnter Regelmäßigkeit abwechseln. Die Döner-Läden und die türkischen Basare sind natürlich auch zu erwähnen. Das Leben findet hier buchstäblich wie in Istanbul auf der Straße statt. Das hatte ich bei meiner naiven Buchung übers anonyme Internet natürlich nicht bedacht. In der heutigen Zeit zählt ja nur noch Kommerz, Deckungsbeitrag usw... Zweitens, nach der Lagebeschreibung - Zeitpunkt. Achja, es ist ja EM. Moment, wer spielt eigentlich? Ach nur Deutschland gegen die Türkei. Hmm, ahja, nee, das Hupkonzert findet bestimmt nur auf der Leopold statt.

1. Tag besagter Woche:
Nach 15h auf den Beinen und auf der Arbeit möchte ich mein Zimmer beziehen und eigentlich nur noch pennen. Beim Einzug ins Zimmer renne ich gegen eine Wand, mein Alukoffer, den ich hinter mir herziehe, prallt dazu auch noch gegen mich. Den ganzen Tag über haben sich ultra hitzige Partikel, die zuvor auf der Sonne mit Lichtgeschwindigkeit unter 6500 Kelvin emittiert wurden, hinter der Glasscheibe dieses Hotelzimmers angesammelt. Die Gardinen wirken wie die Netze eines Fischkutters, die mit ihrer Trägheit nichts sorgfältiger tun als ihrer Arbeit nachgehen und die weit gereisten Gluonen in dem kleinen Zimmerchen zu halten, die wiederum die Welt nicht mehr verstehen und sich fragen, warum ausgerechnet in App. 52 (Nr. von der Red. geänd., Anm.) die Welt zu Ende sein soll.
Wer jetzt zufällig die Gasgesetze kennt und über ein wenig Grundkenntnisse in Thermodynamik verfügt, wird mir schnell glauben, dass das Herumrudern mit den Armen bei geöffnetem Hotelfenster bei gleichzeitiger Anwesenheit von ultra-hitzigen Gluonen vor dem Hotelfenster, die rein wollen und nicht verstehen, dass die Welt vor dem Fenster des zuvor schon ausführlich beschriebenen Hotelzimmers (Nr. 52) zu Ende sein soll, nicht viel bringt, außer das die mit den Armen rudernde Person schnell zu transpirieren beginnt, was wiederum Millionen auf der Haut lebender Organismen erfreut, die sich sicher sodann orgiastisch über die zerealische Flüssigkeit hermachen und sich sogleich exponentiell zu vermehren beginnen.
Weil ich an das Gute glaube, habe ich dann in Erwartung der kühlenden Nacht, die aber dann doch irgendwie nicht kommen wollte, das Fenster einfach offen gelassen. Stattdessen hab ich in meinen Gedanken und Halbträumen Romane geschrieben, die alle mit dem Satz begannen: "Die Nacht war schwül." Weiter bin ich dann nicht gekommen, weil ich vertraulich in die Probleme von den Besuchern des Cafés gegenüber eingeweiht worden bin. Ich hätte zu dem einen oder anderen Wortfetzen sicher etwas anmerken können, die durch die Straßenschlucht zu mir in den 5. Stock hochgeweht worden waren, hab aber (noch) kein Türkisch-Kurs besucht.

2. Tag:
Bin mit den schrecklichsten Kreuzschmerzen aufgewacht, die ich jemals hatte. Ehrenwort! Gut, da war noch das Campen 2005 in Frankreich im Jura, aber das war ja schließlich auch kein Hotel. Wenigstens das Frühstück war für meine Begriffe gut, wenn auch einige amerikanische und asiatische Touristen besonders trübsinnig drein blickten.
Die Arbeit klammere ich mal in meinem Bericht hier aus->[]. Nur so viel. Bin im Stress. Muss dringend was fertig bekommen. Beschließe mir mein Notebook zu schnappen und mich in irgendeine Gaststätte zu setzen. Ahh, welche Wohltat! Es weht tatsächlich ein laues Lüftchen, ich bestelle mir eine Pizza und ein Radler und bekomme tatsächlich noch etwas geschafft. Bin stolz auf mich.
Bei meiner Rückkehr in mein Hotelviertel studiere ich die Schaufenster links und rechts. Neben Computerläden (ich brauch dringend eine firewire notebook card, um meine Videokamera anzuschließen) schiebt sich ungewollt auch dauernd und aufdringlich eine Rotlicht-Attraktion nach der anderen in mein Sichtfeld. Und dann passiert es. Mein Gehirn braucht eine Weile, um von 'PCMCIA to IEEE1394' auf Rot umzustellen, legt dazu den Schalter von der linken auf die rechte Gehirnhälfte um und fängt sogleich an zu überlegen, ob es von dem gebotenen Anblick entzückt (Befehl: SOFORT Endorphine, Pheromone ausstoßen) oder abgestoßen sein soll (Schalter wieder zurück auf die linke Gehirnhälfte, soll die doch was schaffen):
Zur vorgerückter Stunde steht ein leichtes Mädchen, junge Frau, äh, also etwas älter als ich war sie ja schon - vor mir im Hauseingang. Atemberaubend angezogen in der in der Gegend wohl üblichen Abendgarderobe farblich passend zum Viertel. Gute Idee, bei der Hitze so wenig anzuhaben! Noch dazu die luftigen Maschen! Sehr praktisch, finde ich und geh weiter.
Diese Nacht sollte eine der erholsamsten dieser Woche werden, ich hätte mir gerne behalten, was ich geträumt habe. Es ist ja erwiesenermaßen so, dass man maßgeblich von dem beeinflusst wird, was man zuletzt vor dem Schlafengehen an Infos so aufgenommen hat. Thema Traumsteuerung. Hat nur dieses Mal nicht geklappt. Ich hätte mir auch eine andere Hauptdarstellerin gewünscht.

3. Tag:
DAS SPIEL ist heute. Mein Chef hängt auf dem Flughafen fest und ist schon am Gate, kann also bestenfalls nur noch vom Piloten informiert werden, wie es gerade so steht. 0:1, 1:1, usw... wie gehabt. Brauch er sich wenigstens nicht über den Bildausfall aufregen. Nun, das Spiel ist auch nicht Gegenstand dieses Blogeintrags, wird auch ausgeklammert. ->[].
Es ist mittlerweile halb 2 in der Frühe des 4.Tages dieser ungewöhlichen Beraterwoche. Es wird immer noch gehupt. Irgendwie hat sich eine Endlosschleife zwischen Leopoldstraße, Hauptbahnhof und Schwanthaler Str. gebildet. Ich könnte schwören, dass ich manches schwarze BMW-Cabrio schon 2x gesehen habe.
Nette Anmerkung am Rande: Gleich nachdem die Türken verloren haben, räumen sie die türkischen Fahnen aus beschriebenen Café gegenüber des Hotels weg (was eine ganze Weile dauert) und schleppen die deutschen Fahnen ran, um die nun stattdessen zu installieren. Ich muss mehrmals lachen über das Volk, was da unter meinem Beobachtungsfenster entlang schleicht. So macht ein leichtes Thai-Mädchen seinen Kunden schon beim Einparken heiß, indem sie ihr leichtes Röckchen öfters mal hebt, um ihm den direkten Blick auf das frei zu machen, was ihn gleich erwartet. (Ich hab jetzt bewusst auf die Adjektive heiß und feucht nach dem 'gleich' im letzten Satz verzichtet, am Ende werde ich hier noch wegen des anstößigen Inhalts geflaggt. Kann ich gar nicht gebrauchen.) Der gute Mann parkt dann doch souverän ein, ohne sich ablenken zu lassen und ohne sich vor der eigentlichen Aktion schon an irgendwas anderes zu stoßen. (O.k., der letzte Satz war schon recht platt. Ich bin bereit ihn zu streichen, wenn es gewünscht wird.) Der Höhepunkt der kurzen Nacht ist dann für mich die dröhnende Hupe zweier Abschleppwagen des ADAC. Dagegen ist das was da vorher von gepimpten 3-er Cabrios ausging nur Gezwitscher. Da vibriert die Scheibe, das spürt man im Magen, das geht durch Mark und Bein. Da hilft auch kein Ohropax, das ich mir gleich schon am Dienstag nach der ersten Nacht vorsorglich besorgt habe. Trotz allem fallen einem dann doch die Augen mal zu und man hat sowas wie ein paar Reststunden Schlaf in der Nacht, die um 5 Uhr schon wieder vorbei ist, weil es im Zimmer helllichter Tag ist.

4. Tag:
Wie? Es gibt keine Steigerung mehr? Der geneigte Leser erwartet jetzt den langsamen Abschwung der Story in die übliche Alltagskatzenbloggerei? Richtig gute Überleitung. Genau, jetzt geht's endlich um die Pussies in der Geschichte hier. Schreibt man Pussies mit 'ie' im Plural oder mit 'y'? Ich bin jetzt gerade ganz im Ungewissen darüber, weil meine Rechtschreibprüfung 'Pussies' gerade unterkringelt.
Jedenfalls läuft dieser Tag so ab, wie von Gott in einer Schleife mit dem Aufruf einer rekursiven Funktion programmiert. Die Funktion hat nur die 2 Argumente (Spanien, Rußland) und ein Flag (bildstoerungsflag = no) mitbekommen. Völlig erwartungsgemäß läuft die Routine dann auch ab. Konnte ich die Woche vorher nach an der Anzahl des Gehupes in meinem Heimatort errechnen, dass die Russen gewonnen hatten, habe ich dieses Mal der fußballerischen Demonstration direkt beigewohnt und die dem Spiel folgende, schon naturgemäße Darstellung nationalen Stolzes anhand weniger, meist starken Farben auf gewebtem Garn mit Wohlgefallen wahrgenommen.
Und ich denk noch, vielleicht kann ich ja dieses Mal schlafen. Frommer Wunsch, wie sich wenige Minuten später rausstellen sollte.
Ein Krachen hallt durch die Straße, lässt mich immer wieder aus meinem Halbschlaf aufschrecken und manifestiert sich in seiner lauten Regelmäßigkeit. Ich beschließe, mich in Opa-vom-Dorf-Manier ans Fenster zu begeben und mich ein bisschen in die Kühle der Nacht mit fast nacktem Oberkörper hinauszulegen und die Lage abzuchecken. Mittlerweile bin ich mit meinem Kissen ausgerüstet, was ich mir unter die Ellenbogen lege, dann kann man sich länger darauf abstützen. Ich sehe folgendes Schauspiel: ein randalierender Türke findet kein Ende mehr und kann sich auch einen Tag später nach der Niederlage seiner Heim-Mannschaft nicht damit abfinden, das sie draußen sind. Er zerschmettert also aus irgendeinem unerfindlichen Drang heraus Dinge und ist eine Gefahr für die Autofahrer und die Café-Besucher des schon beschriebenen Cafés gegenüber. Diese sind andächtig still geworden und schauen dem Schauspiel zu. Ein Bekannter versucht den Türken außer Rand und Band zu bändigen. Er hat nur zweifelhaften Erfolg darin, was darin mündet, dass er selbst mit dem Handy die Polizei ruft.
Das Beste aber an dem ganzen Trubel ist, was sich an den Fenstern in der gesamten Straße abspielt. Fernsehen ist mit einem Mal Nebensache, Hauptsache ist die real-time Action-Show unten in der Straße auf der Kreuzung. Ich lasse meinen Blick über die anderen Fenster gegenüber im 2. Stock gleiten und siehe da. Ganz großes Kino. Wozu teuere Premiere-Filme bestellen? Eine nackte Frau am Fenster. Noch nicht mal im Dunkeln wie die Blondine schräg im 5. Stock gegenüber, nein, das Zimmer ist perfekt ausgeleuchtet. Komische Szenerie. Es handelt sich um ein Zimmer einer Pension, und ich kann nicht mal sagen, ob es sich um ein verkapptes Stundenhotel handelt. Tage zuvor habe ich noch eine Schulklasse auf ihrem Ausflug in der Pension vermutet. In dem Zimmer sitzt noch eine andere Frau, nur angezogen, an einem Tisch. Ab und zu kommt auch sie ans Fenster, um dem Geschehen weiter zu folgen, denn nun wird's hektisch.
Nur Minuten später kommen Polizeiwagen aus allen Richtungen auf die Kreuzung zugefahren, bremsen kurz vor dem wild gestikulierenden Fan ab, der mit den Händen auf die Haube des einen Wagens schlägt, was die aussteigenden Beamten bestimmt nicht als wohlwollenden Willkommensgruß deuten und sogleich den Knüppel auspacken. Die weitere Handlung wird nun allerdings unter dem Schleier der unausweichlich folgenden Gewalt begraben und folgerichtig ausgeklammert, da sich dieser Blogeintrag nicht mit gewaltverherrlichenden Dingen beschäftigt.->[].
Stunden später hat sich das ganze also wieder beruhigt. Sämtliche Zuschauer auf der Straße werden interviewt. Die nackte Schönheit zieht sich genüsslich wieder ihren BH an. Ob die weiß, dass alle einsamen Männer in den Hotelzimmern ihr gegenüber, die vorher Fußball konsumiert haben, ihrer kostenlosen Show zu gesehen haben?

5. Tag:
Check-out. Programmieren im Delirium. Heimreise im herrlich runtergekühlten ICE. Hoffentlich nie mehr in ein Hotel in der Schillerstraße müssen, obwohl es sehr günstig und das Frühstück auch recht annehmbar war.

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3 Kommentare:

Anonymous Anonym said...

Ohoh! Das hört sich aber nach Notstand an... ;-)

Ansonsten ein prima Beitrag.

Gruß
Thomas

30 Juni, 2008 10:42  
Blogger Mario said...

War ne klasse Woche. 8-S

21 Juli, 2008 20:03  
OpenID setirotl said...

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